Auszug aus dem Vierteljährlich erscheinenden Magazin "InfoBox"
Sie heißen „Chapati“ oder „Big Brobot“. „Prachtmädchen“, „Zartbitter“ oder „Dick und Jane“. Und sie machen allesamt in Mode. Knapp 30 Fashion- und Design-Läden gibt es inzwischen rund um die Wühlischstraße. Viele sind erst in jüngster Zeit entstanden. Sie alle sorgen dafür, dass sich die Gegend zu einer Modemeile entwickelt.
Monika Roggatz ist neu hinzugekommen. Zusammen mit ihrem Mann hat Sie das „Peccato“ in der Simplonstraße eröffnet.
Motto des Ladens:
„Einkaufen, wo jedes Kleidungsstück eine Sünde wert ist.“
Auf 100 Quadratmeter Verkaufsfläche bietet sie nicht nur Dessous in allen Farben, sondern auch Kleider, Blazer, Hosen oder Assessoires wie Handtaschen.
Alles individuelle Fabrikate, betont sie. „Ich beziehe meine Ware von jungen Designern und suche jedes Stück persönlich aus.“
Dass es in dieser Gegend inzwischen viele andere Modegeschäfte gibt, wirkte auf sie nicht abschreckend. „Entscheidend war, dass mir der Kiez ziemlich zusagt und ich in Friedrichshain wohne. Allerdings war es gar nicht so einfach, hier noch etwas zu finden. Wir haben fast ein Jahr gesucht. Die anderen Läden sehe ich nicht als große Konkurrenz. Denn was ich anbiete, bekommt man so woanders nicht.“
Diesen Tenor hört man auch von anderen
Modemachern rund um die Wühlischstraße. Viele verweisen darauf, dass sie eine ganz spezielle Nische bedienen. Ob das der Hut- und Taschenladen „dazu“ in der Kopernikusstraße ist, Kindersachen, die man im „Casa Carlotta“ in der Wühlischstraße oder im „dollyrocker“ in der Gärtnerstraße erstehen kann, lange Gewänder, auf die sich „UVR Connected“ in der Simon-Dach-Straße spezialisiert hat oder Schuhe, in diesem Fall konkret Sportschuhe, die Sebastian Bauer im „Kickback“ in der Gärtnerstraße anbietet.
„Gerade die Tatsache, dass hier schon viele andere in Mode machen, hat mich dazu bewogen, mich ebenfalls hier anzusiedeln“, sagt Bauer. Gegen immer mehr Fashion- Läden hat auch „dollyrocker“-Inhaberin Gabi Hartkopp nichts einzuwenden. „Das zieht dann wieder mehr Kunden in den Kiez“, meint sie. Sie selbst hat vor drei Jahren ihr Geschäft
eröffnet. „Das geschah damals im Rahmen des Boxion-Projekts für Existenzgründer.“Seither fertigt sie aus Second-Hand-Ware Kinderkleider. Ihre Werkstatt befindet sich im Laden.
Dieses Arbeiten und Verkaufen an einem Ort ist ebenfalls ein Markenzeichen für Fashion made in Friedrichshain. Auch bei Annemarie Laber. Sie ist außerdem eine Art „Mode-Mutter“ dieser Gegend. Bereits vor fünf Jahren hat sie ihr Geschäft „Spitzenreiter“ in der Wühlischstraße 32 eröffnet. Maßanfertigung für Frauen und Männer gibt es dort. Außerdem die Kollektionen ihrer Mitstreiterin Birgit Gadin. Dass viele andere Designer ihrem Beispiel gefolgt sind, wundert nicht, wenn sie
erzählt, was sie einst an diesem Kiez begeistert hat. „Das ganze Viertel machte auf mich sofort den Eindruck eines sowohl städtischen und gleichzeitig überschaubaren Quartiers.
Einschließlich kleiner grüner Ecken und der Straßenbahn, die durch die Wühlischstraße tuckert. Das alles war sehr inspirierend.“ Auch wenn es bei ihren Anfängen noch längst nicht so quierlig zuging wie heute. „Die erste Zeit war ziemlich hart.“ Und jetzt hofft sie, dass dem Mehr an Geschäften auch ein noch Mehr an Kunden folgen wird. „Vor allem Touristen müssen wir noch viel mehr in diese Gegend locken.“ Klasse findet sie auf jeden Fall, wie sich diese Modemeile ganz von unten und ohne Plan entwickelt hat.
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Quelle: http://www.boxhagenerplatz.de/infobox.0.html
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